Viktor Mürner und sein Citroën 15CV/6 H

Viktor Mürner

„Diese Traction musst Du nehmen!“ Den Tipp bekam Viktor Mürner von einem Kenner der Szene, der gleichzeitig als Vorsitzender des CVC Bayern Süd fungiert. Sepp Anzinger empfahl dem gebürtigen Illmitzer das Auto aufs Wärmste.

Es war viel daran zu machen: Vorder- und Hinterachse, Bremsen, Hydropneumatik, 12 Volt-Elektrik mit einer um 3cm gekürzten Drehstromlichtmaschine, selbst gefertigter Kabelbaum, Tacho komplett überholt, Sitze und Verkleidung neu gepolstert, selbst genähter Himmel, neuer Teppichboden, alle Chromteile neu verchromt, neuer Lack.

Im Citroen 15CV/6 H

Im Citroen 15CV/6 H

Seit 2011 rollt der Six meist im Chiemgau, gerne aber auch über lange Strecken. Zum wiederholten mal ist das zu seiner Zeit größte Citroën-Modell Teilnehmer der österreichischen „Pannonia-Rallye“, am burgenländischen Neusiedler See.

Seit 2011 rollt der Six meist im Chiemgau

Seit 2011 rollt der Six meist im Chiemgau

Der 15er ist ein gesuchter und rarer Oldtimer mit dem ganz großen französischen Charme, vielgefilmt und eindrucksvoller Darsteller nicht nur in Gangsterfilmen. Aber der Begriff „Gangster“ ist den Autos dieser Karosserieform mit dem Doppelwinkel geblieben. Die Polizei schaute wohl damals zu oft in den Auspuff der technisch weit überlegenen „Traction“.

Mit einem breiten Lachen erzählt Viktor von seinen Erfolgserlebnissen auf der Autobahn, wenn er mit 140 Stundenkilometern zum Überholen ansetzt. Die Blicke verblüffter Sonntagsfahrer sind ihm sicher. „Aber dann“ meint er „schluckt er schon kräftig – so mit 18 Litern musst Du rechnen“. Überhaupt wird kolportiert, dass die Typenbezeichnungen der beiden Citroën-Modelle 11CV und 15CV eher dem Verbrauch als der französischen Steuerklasse entspringen.

Der 15CV/Six H ist ein echtes Wunderauto, damals hatte das Auto schon Einzelradaufhängung, Drehstabfederung und Vorderradantrieb. Die herrliche Vorkriegsoptik hatte schon ab 1934 unter dem wohlgeformten Blechkleid eine revolutionäre Technik stecken. Aber für ganz besonderes Aufsehen sorgte im Jahr 1953 der Einbau der hydropneumatischen verstellbaren Hinterachse, die dem direkten Nachfolgemodell DS21 zu großem Ruhm verhalf. Während bei der „Göttin“ die Technik manchmal störrisch sein konnte, ist die Höhenverstellung bei Viktors 15er so stabil, dass er den Absenk-Effekt nur mit Mühe und Körpereinsatz präsentieren kann.

Viktor testet den Absenk-Effekt

Viktor testet den Absenk-Effekt der Hydraulik

Die „Traction Avant“ wurde in den Jahren von 1934 bis 1957 insgesamt über 700.000 mal gebaut, es gab die kleine Ausführung 11BL, die etwas größere Karosserie 11BN, die großen 11 Commercial mit Heckklappe und 11 Familiale mit 8 Sitzplätzen sowie Cabrio-Ausführungen auch von anderen Karosserieschneidern.

Viktor Mürner hat Kfz-Mechaniker (sein Vater meinte, es sei ein „neumodischer“ Beruf), deshalb musste er nebenbei das Schlosserhandwerk und schmieden lernen. Dadurch wurde die Lehrzeit um ein halbes Jahr verlängert. Der Maschinenbau kam später dazu. Französische Technik ist für ihn inzwischen ein Kinderspiel. Neben der Traction hat er auch noch vier Velosolex, alle so um die 30-45 Jahre alt, die völlig konträr zur Automobiltechnik mit einem Reibradantrieb und einem winzigen Zweitaktmotor für flotte Fortbewegung sorgen. Dazu gesellt sich in der Garage noch eine überholte und technisch einwandfreie Saxonette. Wenn man also im Chiemgau zufällig einer Zweiergruppe auf den kuriosen Hilfsmotor-Rädern begegnet, dann handelt es sich wahrscheinlich um Viktor und Lisa, die sich die Voralpenluft um die Nase wehen lassen. Und bei schlechtem Wetter widmet sich der bayerische Österreicher je nach Laune der Restauration von Musikboxen aus den 50ern oder einem Bauernmöbel, das oft noch einmal um hundert Jahre älter ist.

Mehr Bilder vom Treffen mit Viktor Mürner und seinem Citroen 15CV/6 H sehen Sie in der Galerie unten. Bitte für große Ansichten in die Bilder klicken!

Fotografie: © Jochen Bückers – die Bilder sind urheberrechtlich geschützt, Text: Sepp Klement