Unterwegs mit Mercedes-Fan Alfred Wölkl

Alfred Wölkl lässt bitten

Ein 0,3 Liter Dingolfinger, ein Zuffenhausener, ein dicker Rüsselsheimer sowie ein Münchner Barockengel bilden die Ausnahmen in seiner Sammlung – alle anderen Fahrzeuge tragen Sterne: Mercedes-Fan Alfred Wölkl ist schon über 40 Jahre in der Oldtimer-Szene dabei. Und damit gewissermaßen selbst ein Urgestein der Edelschrott-Liebhaber.

Im Jahr 1970 dachten noch nicht viele an altes Blech, Alfred dagegen restaurierte seinen ersten Oldi, einen ausgedienten 170S-D. Der auch heute noch sein Alltagsauto ist. Es haben sich im Lauf der Jahre noch einige “Sterne” dazugesellt. Auch die Familie wuchs. Es kam ein Eriba-Wohnwagen dazu, den der brave 170S-D samt Familie auf viele Treffen und auch auf Urlaubsreise in die Türkei zog.

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Zum Fotoshooting holt der Bayer ein Mercedes 170V Cabrio aus der Garage. Bis auf die letzte Schraube perfekt restauriert präsentiert er mit Stolz und viel Freude das Auto aus dem Jahr 1938.

Und die Historie des Autos erzählt Alfred Wölkl so:

„Das Cabrio wurde urprünglich an einen Leutnant Ladner in Ostpreußen ausgeliefert. Irgendwie kam der Wagen nach Hamburg, wo ihn Ladners Witwe in den 60er Jahren an den Sohn einer befreundeten Familie verkaufte. Der inzwischen ergraute Rentier erinnert sich an die Zeit der Beatles und denkt zurück an die wilden Tage und Nächte – an denen das schicke Cabrio auf der Reeperbahn parkte.

Die originale Lackierung schwarz/beige mußte nun einer orangeroten Schnelllackierung weichen, einige originale Teile wurden durch „zeitgenössische“ ersetzt.

Dann aber wurde der Wagen durch ein Alltagsauto ersetzt. Über einen Schrottplatz fand das Cabrio in letzter Minute einen Platz in der Autosammlung Hillers, Hamburg. Als diese aufgelöst wurde, geriet der Wagen an einen Schuhhändler in Kaiserlautern, der ihn ursprünglich für seine Frau restaurieren lassen wollte. Er fand – seiner Meinung nach – etwas Besseres und tauschte den 170V ein. So gelangte dieser schließlich 1980 zum Autohandel „Sager und Holthausen“ nach Landshut (man erinnere sich an die Titelseite der damaligen „Markt“, wo Holthausen einen 500er Kompressor-Mercedes von 1939 unter dem Titel „teuerster Gebrauchtwagen Deutschlands“ anbot).

Unterwegs im Mercedes Oldtimer

Ein Freund machte mich auf den Wagen aufmerksam, ich kaufte den Wagen im Herbst 1980 und es sollten noch weitere 20 Jahre mit vielen Verschnaufpausen vergehen, bis die Restaurierung abgeschlossen war“.

Mercedes Restaurierung bei Alfred Wölkl

In Wölkls Werkstatt, die mit Hebebühne und Motor-Teststand weit über Hobbyschrauber-Niveau hinausgeht, wird notleidende Technik vom Balkenmäher bis zum Unimog zerlegt und wieder zusammengebaut. Das steht auch noch dem zu einem Messfahrzeug (gemessen wurde die Lautstärke und Klangfarbe von Auspuffanlagen) umgebauten Mercedes O319 bevor, der seit Jahren in einer Halle vor sich hin schlummert.

Restaurieren bedeutet für Alfred nicht mit Neuteilen und Chrom ein Fahrzeug aufzupeppen. Restaurieren bedeutet für ihn die schadhaften Originalteile zu richten, verbrauchte Technikteile aufzuarbeiten und vor allem keine Verschlimmbesserungen vorzunehmen.

Die beste Restaurierung ist für ihn die, die man nicht erkennt.

Mehr Bilder vom Treffen mit Mercedes-Fan Alfred Wölkl sehen Sie in der Galerie unten. Bitte für große Ansichten in die Bilder klicken!

Fotografie: © Jochen Bückers – die Bilder sind urheberrechtlich geschützt, Text: Sepp Klement